Magersucht - Erinnerungen kommen hoch

Die Magersucht - eine Last und gleichzeitig eine beste Freundin. 


Es ist so unglaublich, sich die Bilder von mir, meine Tagebucheinträge mit meinen Gedanken oder meine Therapiemappe zu diesem Thema anzuschauen. 

Es war eine schwere Zeit, die schwerste meines Lebens. 

"Liebe Magersucht, 

seit ungefähr 1 Jahr weichst du mir nicht mehr von der Seite. In diesem Jahr warst du sowohl manchmal eine Last als auch meine beste Freundin.

[...] Es gab Zeiten, in denen ich in meinem Zimmer saß und geweint habe wegen dir. Ich stand oft vor dem Spiegel und sah nicht mich, sondern ein Mädchen, das nicht zufrieden mit sich war. Ja, ich habe geweint, nicht nur einmal. Ob ich mich mit meinem Brüdern oder Eltern gestritten habe, ich meine Familie überfordernd im Wohnzimmer sitzen sah oder ich einfach mal wieder unzufrieden mit mir war, der Auslöser warst meistens du!

Vor 1 Jahr hätte ich niemals gedacht, dass ich später so enden werde. Erst jetzt wird mir bewusst, wie schnell du die Menschen packst und nicht mehr loslässt. An manchen Tagen dachte ich, es wäre besser geworden, doch plötzlich warst du wieder da und hast mich festgehalten, hast versucht, mir ins Gewissen zu reden und ich tat alles um gegen dich anzukämpfen, manchmal.

In den letzten Wochen ist es etwas besser geworden, also vom Gewicht her. Die Gedanken haben mich aber noch nicht verlassen und die zwei Stimmen, bei denen mir die eine sagt: "Du musst essen!" und die andere "Du wirst zu dick!" sind immer noch da!

Über meine Gedanken rede ich nur in der Therapie, sonst mit so gut wie niemandem [...]

Wie ich schon erwähnt habe, bist du nicht nur eine Last gewesen, denn als ich auf der Waage das niedrige Gewicht gesehen habe, war es nur noch ein tolles Gefühl. Ich habe mich nicht mehr "normal" gefühlt, sondern "besonders". Ich war zufrieden mit mir, zumindest dachte ich das. 

Immer wieder frage ich mich: Wieso ich? Wie konnte es so weit kommen? Und wann lässt du mich endlich wieder los? Ich möchte wieder glücklich sein, ohne ständig an das Essen denken zu müssen. Ich möchte in mein altes Leben zurück! Und du bist die einzige, die mir im Weg steht!"

(Bild & Text von 2014)

 

Den Brief habe ich in der Therapie geschrieben und er richtete sich an meine Krankheit. Es ist echt unglaublich hart und traurig, das zu lesen. 

Es war ein großer Abschnitt meines Lebens, ein Abschnitt mit vielen Tränen.

Ich denke immer daran, wie meine Psychologin meiner Mutter gesagt hat, dass es immer sein kann, dass ich morgens nicht mehr wach werde und sterbe, weil mein Herz versagt. 

Klar war es für mich eine harte Zeit und extrem schwer, aber ich glaube, dass ist mit den Sorgen der Eltern nicht zu vergleichen.

Ich habe echt so vielen Menschen zu danken und mich gleichzeitig bei so vielen Menschen zu entschuldigen, dass ich ihnen so große Sorgen bereitet habe. 

      

Zu diesen Menschen gehören...

...meine Eltern

...meine Brüder & Freundinnen

...meine Freunde

...meine Tante & Onkel

...mein Cousin

...meine Lehrer

...

 

und ein großer Dank geht an meine Therapeutin und meine Psychologin.

Ohne die hätte ich die Krankheit niemals überwinden können. 

Danke!

 

An alle die Menschen, die an Magersucht leiden:

Lasst euch helfen. Auch wenn es schwer ist einzusehen, ihr  braucht diese Hilfe. Gebt niemals auf, kämpft weiter, auch wenn alles so schwarz und dunkel aussieht, irgendwo da draußen gibt es dieses eine Licht. Ihr werdet es sehen. Der Kampf lohnt sich und denkt immer daran... Ihr seid schön genug, so wie ihr seid! 

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Kommentare: 1
  • #1

    Olaf.kuhlmann@gmx.de (Sonntag, 29 Januar 2017 20:10)

    Du bist großartig!