Diabulimie

Erinnert Ihr Euch, als ich erzählt habe, dass ich meine Magersucht gut im Griff habe? Das dachte ich wirklich. Und ich dachte auch, dass ich mein DIabetes gut unter Kontrolle habe. Ich habe mich getäuscht...
Ich leide jetzt seit ungefähr einem Jahr an Diabetes Typ 1. Das bedeutet für mich: jeden Tag Insulin spritzen. Zu den Mahlzeiten das Bolusinsulin und abends das Basalinsulin. Aúßerdem regelmäßigmeinen Blutzucker kontrollieren und immer Traubenzucker parat haben. 
Der Chefarzt betonte damals, dass ich meine Essstörung im Griff haben muss, da die Kombination von Diabetes und Magersucht sehr gefährlich sei. Jetzt weiß ich was er meinte.

Das Insulin ist dafür da, die Kohlenhydrate, die wir über die Nahrung aufnehmen, in Glukose umzuwandeln und in die Zellen zu transportieren, sodass man es in Energie umsetzen kann. 
Da meine Bauchspeicheldrüse kein Insulin produzieren kann, muss ich das Insulin mithilfe meines Insulinpens in meinen Körper transportieren. Tue ich das nicht, dann scheide ich den Zucker wieder aus, ohne ihn verwertet zu haben. Die Folge: hoher Blutzucker --> Gewichtsabnahme, Muskelverlust, Fettverlust und Wasserverlust.
Wahrscheinlich könnt ihr euch vorstellen was passiert, wenn man an Essstörungen leidet und "Gewichtsabnahme" sieht.

Ja und so hörte ich auf, zu spritzen. Manchmal wenn es mir schlechter ging, fing ich für einen oder zwei Tage wieder an, aber im Kopf hatte ich immer noch den Wunsch, dünner zu sein.

Ich weiß, dass das, was ich tue lebensgefährlich ist und ich will mein Leben auch nicht gefährden, aber das wollte ich in meiner Magersucht auch nicht. Trotzdem habe ich weitergemacht. Ehrlich gesagt ist mir das jetzt erśt wieder richtig klar geworden, was mit mir passiert, dann, als ich im Internet den Begriff "Diabulimie" gesehen habe. Viele Diabetiker, gerade junge Frauen und Mädchen verfallen in die Diabulimie. Und warum? Weil unsere Gesellschaft von dem Perfektionismus geprägt wird, so wie es uns in Zeitschriften, Filmen oder Werbespots gezeigt wird. 
Eine große Frau, schlank, fast mager, das soll normal sein. Eins könnt ihr mir glauben, ich bin so sauer auf dieses Ideal. Unsere Gesellschaft wird etwas vormacht. Die Bilder, die wir sehen, sind meist eh nicht echt. Häufig werden die Frauen auf den Bildern bearbeitet, sodass keine Kurve zu sehen ist. Das ist traurig.

Ich habe wirklich geglaubt, ich wäre mit der Krankheit durch, aber die Magersucht war nie weg, selbst in meiner Diabetes ist sie präsent. Es ist so wichtig, die Krankheit loszuwerden, um ein gesundes Leben mit Diabetes zu führen. Das kann so nicht weitergehen und das ist mir klar. Aber auch wenn die Magersucht den Kampf noch nicht aufgegeben hat, das mache ich auch nicht. Ich werd´ dich schon noch los. 
Man befindet sich in einem Teufelskreis und aus diesem Kreis muss ich versuchen, zu fliehen. 

Nichts ist wichtiger, als ein Leben mit Familie, Freunde, Glück und Gesundheit. Ich habe eine Familie, die mich auffängt, egal was passiert und ich habe treue Freunde, die hinter mir stehen. Sowas gibt einem Kraft, Kraft mit der man jede Krankheit bekämpfen kann. Ihr wisst doch, es gibt Höhen und Tiefen, das ist das Leben.

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