Leben mit Diabetes oder Tod?

Mein Arzt stellte mir eine Frage: Was würdest du machen, wenn du mit einer entzündeten Wunde am Arm zum Arzt gehst und dieser dir sagt, dass du zwei Optionen hast. Entweder der Arm wird amputiert oder du wirst sterben. Wählst du ein Leben mit nur einem Arm oder wählst du den Tod?

 

Meine Antwort war klar. Ich wähle das Leben mit einem Arm. Ist das Leben nicht das kostbarste Geschenk, das es gibt? Natürlich hätte man sich  ein Leben mit beiden Armen vorgestellt, aber wenn dies nicht möglich ist, dann darf man sein Leben nicht einfach wegwerfen. 

 

Ihr fragt Euch vielleicht, warum mein Arzt mir diese Frage gestellt hat. Ich verrate Euch den Grund...

 

Ich habe Euch doch erzählt, dass ich mich über eine längere Zeit nicht gespritzt habe. Der Grund war meine Essstörung. Ich habe meine Krankheit Diabetes Typ 1 ausgenutzt, um abzunehmen. 

Die Folge waren extrem schlechte Blutzuckerwerte. Sie waren schlechter, als meine Werte, die ich am Anfang meiner Krankheit hatte und weshalb ich ins Krankenhaus musste. Ich bin von einem HbA1c -Wert von 11 auf 13 abgerutscht. Eigentlich hätte ich bei so einem Wert sofort ins Krankenhaus gemusst, doch mein Arzt meinte, er würde an mich glauben. Er glaubt, dass ich es schaffe und dass ich aus dieser Lage wieder herauskomme. 

 

Es war einfach alles so einfach. Nicht spritzen und Leben, wie jeder andere Mensch. Und sich dabei keine Sorgen um die Figur machen. Ja, ich war zwar immer sehr müde, hatte Durst und war total unkonzentriert in der Schule, aber dagegen habe ich einfach versucht, anzukämpfen. 

 

Eigentlich sollte mir meine Lage, in der ich mich befinde doch Angst machen, oder? Doch ich habe keine Angst. Im letzten Jahr sind so viele Dinge passiert, so viele wundervolle Menschen sind gegangen. 

Ganz oft wünsche ich mir meine Oma zurück. Ich wünschte mir, dass sie bei mir wäre.

Andererseits habe ich eine Familie, die sich Sorgen macht und das will ich nicht. 

Ich darf das Leben, was ich habe nicht aufgeben. Mit dem Diabetes ist es wie mit dem entzündeten Arm. Entweder akzeptiere ich ein Leben mit der Krankheit oder ich werde sterben. 

 

Ich habe noch so viel vor mir. Das darf ich nicht kaputt machen. Ich will das schaffen und das werde ich. 

 

Bitte glaubt immer an Euch! Egal wie schwer der Weg auch ist, wenn ihr an Euch glaubt und den Weg meistern wollt, dann schafft Ihr das auch!