Sei stark!

Stark sein. Das musste ich schon häufig in meinem Leben. 

Und jedes Mal wurde ich wieder etwas stärker. 

Den ganzen Schmerz, den ich erfahren habe, habe ich in Stärke umgewandelt. All die Narben, die mich zeichnen, machen mich aus. Und darauf bin ich stolz.

 

Heute fühle ich mich so stark und vor allem glücklich. Das war nicht immer so. Man sieht mich heute und denkt vielleicht nicht, dass ich viel Schmerz erfahren musste. Dass mein Leben perfekt sei. Aber das stimmt nicht. Ich bin zu diesem Menschen geworden, gerade weil ich viele Tiefen in meinem Leben hatte. Weil ich am Boden lag. Weil ich an einem Punkt war, an dem ich nicht mehr am Leben sein wollte. Ich war so tief gefallen und habe mich mit aller Kraft wieder ins Leben zurückgekämpft. Und jeden Schlag, der mich ein bisschen tiefer fielen ließ, habe ich übertroffen.

Ich blicke gerne in meinem Leben zurück, denn ich weiß, wo ich vor 5 Jahren stand und ich sehe, wo ich jetzt bin.

Wenn ich darüber nachdenke, dann fange ich oft an, zu weinen. Einfach weil ich so überglücklich bin, dass ich nicht aufgegeben habe, dass ich immer und immer weitergekämpft habe.

Wisst ihr, es gab so viele Situationen, in denen ich am liebsten alles hingeschmissen hätte. 

Ich erinnere mich noch daran, wie mein Vater bei mir im Zimmer saß und anfing zu weinen, da er wusste, dass ich mich und mein Leben aufgeben wollte.

Ich wollte es. Aber ich habe es nie getan. Nie! Und jetzt bin ich hier. Jetzt bin ich diese starke Person geworden, die ihr Leben über alles liebt und zu schätzen weiß und die den Menschen helfen möchte, die an dem gleichen Punkt stehen, an dem ich stand.

Was hätte ich alles verpasst, wenn ich aufgegeben hätte? Das Leben ist so schön. Und um diese Schönheit zu erkennen, dafür habe ich diesen Kampf gerne in Kauf genommen. 

Diese Narben, die ich trage, sind keine Symbole dafür, wie schlimm mein Leben war, sondern ein Zeichen dafür, dass ich den Kampf gegen mich selbst gewonnen habe, den Kampf gegen eine Krankheit, die heute noch so viele Mädels da draußen quält. 

Vor einigen Tagen erst habe ich ein Mädchen gesehen, die weitaus tiefer in der Krankheit steckte, als ich es je tat.

Man sah ihr ins Gesicht und sah keinerlei Freude oder Glück, sondern nur ihre herausstechenden Wangenknochen und eine offensichtliche Hilflosigkeit. Bei vielen Menschen kommt dabei nur das Gefühl von Ekel auf. Doch als ich das Mädchen sah, da sah ich ein Mädchen, dass sich nicht zu helfen wusste, kontrolliert von ihrer Stimme im Kopf und überfordert mit all den Restaurants, in denen sie nichts zu finden wusste, als ein Glas Wasser.

Stärke ist nicht ganz plötzlich da. Sie entwickelt sich, doch den Anfang musst Du ganz alleine machen. Ein kleiner Schritt in die richtige Richtung... auf der Welt wartet noch so viel auf uns! Und denk immer dran! Das Leben ist schön!